Sonntag, 13. März 2016

Žižkov -Turm oder - wie die Babys Prag "erklimmen"


Zizkov-Turm mit den gut erkennbaren "Miminka" von David Cerny



Ein 216 Meter hohes Gebilde ragt über Prag hinaus. Ein ufoartiger Glaskasten auf 3 Stelen ist fast von keinem Punkt der Stadt aus zu übersehen. Alles begann 1992, als dieses ungewöhnliche "Kunstwerk" des Architektien Václav Aulický, 5 Jahre nach Baubeginn endlich eröffnet wurde. Es sollte bewusst "außer Konkurrenz" der Prager Altstadt und der historischen Gebäude stehen und tatsächlich könnte man meinen, es passe irgendwie nicht so ganz zum Stadtbild.
Tatsächlich gilt es sogar als eines der hässlichsten Gebäude der Welt. Für mich jedoch gehört der Turm mittlerweile fest zu meinem perfekten Prag-Panorama dazu. Fast jeden Tag sehe ich ihn auf dem Weg zur Arbeit aus Zizkov hervorragen und er fasziniert mich immer wieder. 


Das höchste Gebäude der Tschechischen Republik steht in einem meiner Lieblingsstadtteile Prags: Zizkov. Östlich vom Zentrum Prag gelegen, das sich seit den 1990er Jahren immer mehr zum Kunst- und Kulturszeneviertel mausert, was sich auch an den vielen tollen Bars und Kneipen bemerkbar macht. 
Auch den "Nový zidovsý hrbitov" - den "Neuen Jüdischen Friedhof", auf dem Franz Kafka begraben liegt, findet man im Stadtteil Zizkov.

Nicht zuletzt jedoch wegen der ganz anderen "Kleinigkeiten", denn wer ganz genau hinsieht, wird von weiter Ferne kleine schwarze Punkte an der Fassade des Turmes erkennen. Kommt man näher und sogar ganz nah an den Turm heran, traut man zunächst seinen Augen nicht. 10 riesengroße, scheinbar metallene "Miminka" - tschechisch für "Babys" - krabbeln den Turm fröhlich hinauf und hinab, als sei es das normalste der Welt. Für jeden Pragkenner wird schnell klar, wer nur für diesen Witz verantwortlich sein kann. Richtig: Hier hatte David Cerny wieder seine Finger im Spiel. 2000 wurden diese riesigen Plastiken am Turm angebracht und zieren bis heute den Zizkov-Turm, als ob der nicht schon "nackt" skurril genug wäre.


Das Modell





Die "Miminka" findet man übrigens noch an einem anderen Ort in Prag: Direkt neben dem Kampa Museum am linken Moldauufer stehen drei genau dieser Miminka und werden regelmäßig Kulisse von sehr amüanten und oft nicht ganz jugendfreien Fotos ausländischer Touristen.
Ein weiteres Highlight: Bei Nacht wird der Turm von den Farben der tschechischen Nationalflagge - Blau, Weiß, Rot - angestrahlt.




Der Zizkovturm bietet einen wirklich atemberaubenden 360 Grad Blick (Studenten zahlen 140 CZK, ungefähr 6 Euro) auf ganz Prag. Das besondere an seinem Ausblick ist die Möglichkeit sehr weitläufig über Prag hinauszublicken. Mir ist erst auf dem Zizkovturm richtig aufgefallen, dass die Häuserblöcke im Zentrum Prags oft kreisförmig angeordnet sind, sodass jeder Häuserblock einen recht großen Innenhof besitzt, der von außen kaum zugänglich ist.








Sonntag, 6. März 2016

Ein Nachmittag auf dem Vyšehrad



Das beste an Prag ist diese Mischung aus lebendiger Stadt voller Menschen und Eindrücken und den ruhigen, oft menschenverlassenen grünen Lungen der Stadt, wie dem Petrin-Hügel, dem Letna-Park, ja und dem Vyšehrad. Genau hierher hatte es mich gestern Nachmittag verschlagen. Der südlich auf der rechten Seite der Moldau gelegene Teil der Stadt ist genau einer dieser grünen Oasen, der Hund und Besitzer, Paare, ältere Leute und alle. die etwas Ruhe und Idylle suchen, anzieht.

Zu Fuß gelangt man recht schnell, wenn auch mit steilem Aufstieg auf die hohe Erhebung der Stadt. Durch einen Tunnel erreicht man dann auch schon den Vyšehrad.




Hier wird man mit einer ganz besondere Aussicht belohnt. Nördlich reckt sich die Prager Burg in den Himmel, westlich macht der Petrin-Hügel mit dem alten Fernsehturm dem Vyšehrad Konkurrenz, östlich beeindruckt der neue Fernsehturm in Zizkov mit seiner kuriosen Gestalt. 








Und wenn man vom Vyšehrad in Richtung Süden schaut, kann man dem Moldauverlauf raus aus der Stadt folgen.





Von oben kann man auch den 1904 eröffneten Tunnel sehen. der durch den Vyšehrad-Felsen führt.

Aber der Vyšehrad hat nicht nur luftige Höhe und einen Panorama-Blick über Prag zu bieten. Die alte "Prager Hochburg" wird durch die St. Peter-und-Paul Kathedrale , die von allen Punkten der Stadt zu sehen ist und zahlreichen Parkanlagen, die zum Joggen und Spazieren einladen, geschmückt.






Auch der Vyšehrader Friedhof mit dem "Slavin", der Ehrengruft verschiedener wichtiger tschechischer Persönlichkeit, unter anderem des Künstlers Alfons Mucha befindet sich innerhalb der Burganlage. Hier fanden auch die berühmten tschechischen Komponisten Bedrich Smetana und Antonín Dvorák ihre letzte Ruhestätte.


Die "Letní Scená" -  die Sommerbühne - war gestern noch geschlossen, bietet aber im Sommer Platz für Theaterstücke und ist eine wunderschöne Open Air Bühne.
Vyšehrad ist ein absoluter Rückzugort vom Trubel der Stadt und sicherlich vor allem im Sommer eines Spaziergangs wert.